Feeds:
Beiträge
Kommentare
Zu Besuch bei Weingütern
Zu Besuch bei Weingütern
Wein-Verkostungen
Wein-Verkostungen
Advertisements

Blick vom Weinberg der Weinlage "Schloss Proschwitz" auf die Albrechtsburg in Meissen, im Vordergrund: Weinfass mit dem Logo des Weingutes "Schloss Proschwitz - Prinz zur Lippe"

Mit dem Weingut Schloss Proschwitz ist Prinz zur Lippe im sächsischen Weinanbaugebiet rund um Meißen seit Jahren etabliert.

Wenn jemand ein brachliegendes Land nach 150 Jahren wieder zum Weinbau führt, steckt sicherlich ein unternehmerisches Ziel dahinter. Das lässt sich nicht leugnen. Aber es muss auch viel Leidenschaft dazugehören, vor allem wenn man in dieser Region immer wieder vor neuen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen steht. Dennoch lässt sich Prinz zur Lippe mit seinem Weinhaus zu Weimar in Thüringen zumindest bei den Weinen nicht unterkriegen. So ist Prinz zur Lippe seit 2008 nicht mehr nur im sächsischen Weinanbaugebiet mit seinem Schloss Proschwitz aktiv sondern auch im Anbaugebiet Saale-Unstrut tätig.

Logo des Weingutes "Schloss Proschwitz - Prinz zur Lippe" und "Weinhaus zu Weimar"Dabei konzentriert er sich abseits der klassischen Weinregionen in Sachsen-Anhalt auf den Thüringer Raum bei Weimar. In den vergangenen vier Jahren schaffte das Weinhaus zu Weimar es auf mittlerweile über 40 Hektar Rebfläche. Bepflanzt sind diese mit klassischen Burgunderrebsorten und Weimarer Spezialitäten wie Auxerrois, Sauvignon Blanc sowie Zweigelt. Der Boden in Weimar besteht hauptsächlich aus Muschelkalkverwitterungen und die Rebstöcke sind einem rauen Weinbergsklima ausgesetzt. Das Team um Prinz zur Lippe erzeugt damit filigrane und frische Tropfen.

2013er Sauvignon Blanc

In Erinnerung ist uns der Gutswein vom Sauvignon Blanc. Mit einem ausgewogenen Schmelz und konternder Säure versprüht er gleichermaßen reichlich Frische. Ergänzend zeigt er eine opulente Frucht. Seine Aromen von reifer Paprika und Frucht wie Limone und etwas schwarzer Johannesbeere lassen ihn facettenreich und für einen Gutswein vielschichtig erscheinen. Ein angenehmer und anhaltender Trinkfluss ist damit garantiert.

2013er Auxerrois

Weinhaus zu Weimar - Prinz zur Lippe Thüringen/Saale-Unstrut Auxerrois 2013 trockenAuch der Gutswein vom Auxerrois überzeugt uns. Das Weinhaus zu Weimar spricht von einem Weimarer Geheimfavoriten. Für uns ist er durchaus überraschend und auf alle Fälle einen Versuch wert. Bislang kannten wir Auxerrois von der Obermosel und aus Luxemburg. Diese waren meist süßlich platt und animierten uns nicht zum weitertrinken. Bei dem strahlend gelben Tropfen aus Weimar hingegen machen bereits seine Aromen Lust auf mehr. Wir vernehmen in der Nase einen frischen aber auch geschmeidigen Wein. Neben Zitrusfrüchten gesellen sich ein Hauch von Kiwi und Kernobst wie Birnen sowie Nussaromen dazu. Am Gaumen zeigt sich der Auxerrois für uns überraschend mit deutlicher Säure und zugleich viel burgundertypischen Schmelz mit einer angenehm eingebunden Restsüße, die bei etwa 7,5 Gramm liegt. Das Wechselspiel gefällt uns sehr und macht den Wein abwechslungsreich. Entgegen seiner Verwandten von der Obermosel verliert er dadurch nicht an Trinkspaß. Auch der moderate Alkoholgehalt von 12 Prozent Volumen bremst nicht. Damit dürfte er sich sowohl als Essensbegleiter bei leichten Speisen eignen als auch reiner Abendbegleiter.

2013er Sauvignon Blanc

Wein-Fakten

Weingut: Weinhaus zu Weimar – Prinz zur Lippe
Jahrgang: 2013
Anbaugebiet: Saale-Unstrut / Thüringen
Rebsorte: Sauvignon Blanc
Lage: /
Ausbau: trocken
Prädikat: Qualitätswein
Preis: etwa 14 Euro
erhältlich bei: direkt ab Weingut
Weinzeit-Punkte

Harmonie (Säure vs. Zucker): +++~~
Aromen (Duft): ++++~
Geschmack: +++~~
Optik: ++++~
Aufmachung: ++++~
Gesamt: 18/25

2013er Auxerrois

Wein-Fakten

Weingut: Weinhaus zu Weimar – Prinz zur Lippe
Jahrgang: 2013
Anbaugebiet: Saale-Unstrut / Thüringen
Rebsorte: Auxerrois
Lage: /
Ausbau: trocken
Prädikat: Qualitätswein
Preis: etwa 14 Euro
erhältlich bei: direkt ab Weingut
Weinzeit-Punkte

Harmonie (Säure vs. Zucker): ++++~
Aromen (Duft): ++++~
Geschmack: +++~~
Optik: ++++~
Aufmachung: ++++~
Gesamt: 19/25

2013 Dreissigacker Einzigacker Weissburgunder trockenUm die Weihnachtstage und Neujahr herum darf auch mal etwas Besonderes ins Glas kommen – etwas Einzigartiges. Was eignet sich da besser als ein Einzigacker von dem Rheinhessischen Weingut Jochen Dreissigacker? Im Glas zeigt sich der Weißburgunder in einem goldgelben Ton. Die Farbe ist sehr intensiv und wir vermuten, dass Holz sein Übriges getan hat. Und tatsächlich – nachdem die Beeren ein paar Stunden auf der Maische lagen, vergor der Most in Eichenholzfässern etwa 12 Wochen mit den traubeneigenen Hefen. In der Nase bestätigt sich unsere optische Wahrnehmung: Wir vernehmen deutliche aber gut eingebundene Holztöne und etwas Grünes – es erinnert uns an ein wenig Paprika und frisch geschnittenes Grün, wie von einer Hecke. Zugleich ist der Wein schön geschmeidig, weich, sanft. Das dürfte das Resultat des Hefelagers sein, denn der Weißburgunder lag etwa 9 Monate auf der Hefe, bevor er Ende Juli in die Flaschen gefüllt wurde. Darüber hinaus riecht der Einzigacker leicht süß und scheint von wenig Säure geprägt zu sein.

Am Gaumen zeigt sich der Wein zunächst wie in der Nase. Doch im Abgang gesellt sich deutliche Säure dazu. Wir nehmen den Einzigacker anfangs als regelrecht ungestüm und aggressiv wahr, das gibt sich aber mit der Zeit und etwas Luft. Mit der Zeit verändert sich der Wein ständig und man kann ihn immer wieder neu entdecken. So ergibt sich ein interessantes Spiel zwischen Geschmeidigkeit und Krawall, Anfangs auch viel Holz, dass sich später mit Luft besser einbindet und leichte Birnenaromen annimmt, sowie einen Hauch Vanille. Die Säure wirkt zum Ende unserer Probe hin weniger aggressiv und der Wein zeigt sich in einer sehr trockenen Variante.

Aufgrund seines Ausbaus und damit seiner Aromen sowie des Geschmacks ist der Einzigacker für uns persönlich kein Wein für jeden Tag und vor allem nicht für jeden Gast. Aber wenn es etwas Besonderes sein darf, kann er durchaus ins Glas kommen.

Wenn es etwas Rotes sein darf: 2009er Spätburgunder vom Geyersberg

2009 Dreissigacker Geyersberg Spätburgunder trockenWer zu besonderen Momenten lieber auf einen Rotwein setzt, liegt mit dem Spätburgunder vom Geyersberg aus dem Jahr 2009 nicht falsch. Mit seinem Alter von knapp 5 Jahren besitzt er eine perfekte Trinkreife. Auch hier steht vor uns ein facettenreicher Wein mit dem der Abend nicht langweilig wird. Im Glas zeigt sich der Spätburgunder in einem strahlenden Rubinrot. In der Nase vernehmen wir ein sehr würziges Konzentrat mit fruchtigen Aromen: Wir notieren Kirschen, Pflaumen aber auch etwas Zitrusfrüchte wie Orangen und Mandarinen. Für die Würze sorgt der Duft nach etwas Pfeffer, Kräutern und Weihnachtsgewürzen. Auch hier ist das Holz perfekt eingebunden und unterstreicht den würzigen Eindruck. Am Gaumen kommt der Geyersberg Spätburgunder mit viel Druck an, ohne dass die Tannine zu sehr im Vordergrund stehen. Vielmehr sorgt eine leicht provokative Säure für den angenehmen Nachhall der auch von seiner Würze getragen wird. Wir genießen den Tropfen zu einem deftigen Wildgulasch. Damit harmonisiert dieser Spätburgunder perfekt ohne während des Essens unterzugehen.

Einzigacker Weißburgunder, trocken, 2013

Wein-Fakten

Weingut: Jochen Dreissigacker
Jahrgang: 2013
Anbaugebiet: Rheinhessen
Rebsorte: Weißburgunder
Lage: /
Ausbau: trocken
Prädikat: Qualitätswein
Preis: etwa 32 Euro
erhältlich bei: direkt ab Weingut
Weinzeit-Punkte

Harmonie (Säure vs. Zucker): ++++~
Aromen (Duft): ++++~
Geschmack: ++++~
Optik: ++++~
Aufmachung: +++++
Gesamt: 21/25

Geyersberg Spätburgunder, trocken, 2009

Wein-Fakten

Weingut: Jochen Dreissigacker
Jahrgang: 2009
Anbaugebiet: Rheinhessen
Rebsorte: Spätburgunder
Lage: Geyersberg
Ausbau: trocken
Prädikat: Qualitätswein
Preis: etwa 30 Euro
erhältlich bei: direkt ab Weingut
Weinzeit-Punkte

Harmonie (Säure vs. Zucker): +++++
Aromen (Duft): +++++
Geschmack: ++++~
Optik: ++++~
Aufmachung: ++++~
Gesamt: 22/25

2012er Gewürtraminer vom Weingut Andres Spätlese

Dass sich ein Wein nach dem Öffnen der Flasche weiterentwickelt, konnten wir schon öfter erleben. Diesen Aspekt versuchen wir bei Verkostungen auch immer wieder zu berücksichtigen, indem wir einen Wein mindestens über mehrere Stunden aber noch besser über zwei, drei Tage immer wieder probieren. Wir zweifelten also nicht sofort an unseren Nasen und unserem Verstand, als wir einen uns bekannten Wein probierten und ihn nicht direkt wieder erkannten. Die Rede ist von einer trockenen Gewürztraminer Spätlese aus dem Jahr 2012 vom Pfälzer Weingut Andres. Den Wein probierten wir vor knapp einem Jahr auf der Wein Convention in Frankfurt und notierten: „Darunter befindet sich auch eine trockene 2012er Spätlese vom Gewürztraminer (7,00 Euro), die harmonisch ausgewogene Blütendüfte mit sich bringt ohne übertrieben zu wirken.“ Nun finden wir direkt nach dem Öffnen der Flasche eher Aromen, die uns an einen Rheingau Riesling erinnern. Wir lassen etwas Zeit verstreichen und vernehmen etwas mehr Volumen in der Nase und am Gaumen, der uns an einen Weißburgunder erinnert. Erst mit etwas zunehmender Wärme und etwas Zeit an der Luft entwickeln sich die für den Traminer typischen Aromen: Die Blütendüfte konkretisieren sich weiter zu Rosenblüten. Doch den parfümähnlichen Zustand wie wir ihn von Traminern aus Sachsen kennen, erreichen wir glücklicherweise nicht. Auch am Gaumen vernehmen wir die blumige Note, gepaart mit reifen Aprikosen und Birnen. Trotz seiner geringen Säure bringt die Spätlese mächtigen Druck an den Gaumen. Sie überzeugt durch ein sehr großes Volumenen und bringt einen langen Nachhall mit sich. So ist der Wein für uns perfekt und ähnelt unserer Erinnerung an die Probe auf der Wein Convention. Die Flasche muss damals also bereits eine Weile geöffnet gewesen sein. Je wärmer jedoch die Spätlese nun bei unserer erneuten Probe wird, desto alkoholischer wirken ihre 12,5 % Vol. Also stellen wir den Wein schnell wieder etwas kühl.

Die Philosophie des Weingutes Andres gefiel uns bereits nach dem ersten Gespräch mit dem Senior-Chef bei der Wein Convention. Während der Vater ganz der Winzer aus früheren Tagen ist, scheint der Sohn neue Visionen in das Familienweingut mitzubringen: Organische Dünger und Einsaaten geben den Reben die nötige Kraft und der chemische Pflanzenschutz wird auf ein Minimum reduziert. Die Weine vergären spontan mit den natürlichen Hefen. Auch das Angebot zeigt sich vielseitig: Im Portfolio des Weingutes finden sich neben den Basisweinen ein Premium- und ein Edition-Sortiment. Zu letzterem gehört die Spätlese vom Gewürztraminer, die für all diejenigen einen Versuch wert ist, die würzige und gehaltvolle Weine mögen, ohne Parfüm schlürfen zu möchten.

Natur Pur in Hattenheim: Schlemmerweg

Was früher als Geheimtipp galt, ist heute bereits Mainstream – das ist gängige Praxis und trifft auch auf die “Natur pur in der Hattenheimer Flur” im Rheingau zu. Die Veranstaltung des Hattenheimer Weinbauvereins lockt jedes Jahr mehr Wein- und Gourmetfreunde an. Und dennoch war uns die Veranstaltung bislang aus unerklärlichen Gründen unbekannt. Auch wenn es immer mehr Menschen zum 3. Oktober auf den kleinen Weg durch die Weinberge vom Hattenheimer Ortsrand bis hinauf zur Domäne Neuhof zieht, verliert die Veranstaltung der Hattenheimer Winzer nicht an Reiz. An insgesamt 16 Ständen konnten auch dieses Jahr wieder gute Weine und kulinarische Speisen genossen werden. Der Wettergott meinte es zudem gut mit den Weinfreunden und ließ die Sonne auf die Hattenheimer Hänge prasseln.

Natur Pur in Hattenheim: Weinglas vom Sekt- und Weingut BarthBei diesem Wetter entschieden wir uns, vor dem Genuss ein wenig körperliche Ertüchtigung zu stellen und machten uns zu Fuß von Eltville aus auf dem Weg zur “Natur pur”. Trotz Schienenersatzverkehr zwischen Wiesbaden und Rüdesheim kommen wir gut in den Rheingau und kämpfen uns durch die Weinberge bis nach Hattenheim. Wir landen am oberen Ende des Schlemmerwegs an der Domäne Neuhof. Plötzlich ist es mit der herrlichen Ruhe vorbei: Menschen über Menschen. Doch uns durstet es nach einem erfrischenden Rheingau-Riesling, den wir beim Stand des Sekt- und Weingutes Barth finden.

Der Riesling Classic kommt mit einer herrlichen frischen Note und spritzigen Säure daher. Die leichte Frucht wird von der wohl dosierten Restsüße perfekt getragen. So stellen wir uns den Beginn vor. Abwechselnd zwischen Trinken und Essen schlendern wir die Festmeile entlang und beschließen bereits nach wenigen Metern, die Veranstaltung dauerhaft in unserem Kalender zu markieren. Ein schöneres “Weinfest” oder “Winzerstraßenfest” – wenn man es denn als solches bezeichnen darf – haben wir nicht zuvor gesehen. Die Verbindung von Wein, Leckereien und Natur ist unschlagbar.

Uns hungert und durstet es unaufhaltsam beim Anblick der kühlen Flaschen und der Leckereien auf den Tellern. Wir genießen noch ein paar Rieslinge unter anderem bei Hans Lang, Klaus Molitor, Balthasar Ress und Dr. Christopher Wolf. Dazu lassen wir uns Wildbratwürste, Wildschweinschinken und ähnliches munden. So könnte der Spätsommer weitergehen, doch für viele Winzer rufen in diesen Tagen die Weinberg. Für uns ist die Zeit gekommen, im Schienenersatzverkehr nach Wiesbaden zu gondeln. Aber wir kommen wieder – am 3. Oktober 2015!
Natur Pur in Hattenheim: Rheingau-Riesling bei Hans Lang

Vier Weine aus VDP Große Lage

Ins Glas kommen trockene Weine – laute bislang bei Weinzeit meistens das Motto. Selbstverständlich sind trotzdem bereits feinherbe oder gar restsüße Weine unsere Kehle hinuntergeflossen. Vor allem bei feinherben Rieslingen fanden wir im Vergleich zu dem trockenen Gegenstück, dass etwas mehr Restsüße die Fruchtigkeit und Aromen besser herauslockt. Doch diesmal lehnen wir uns was den Restzucker angeht weiter aus dem Fenster. Wir öffnen vier Kabinett von der Saar. Alle vier Weine sind aus dem Jahr 2013, alles Rieslinge vom Weingut von Othegraven und die Trauben wuchsen auf vier Großen VDP-Lagen – auf unterschiedlichen versteht sich. Der Restzuckergehalt liegt irgendwo bei wahrscheinlich 40 Gramm pro Liter. Doch damit die Restsüße für uns nicht gleich zu stark wird, vertrauen wir auf die Saar-Rieslinge, die durch ihre stahlige Säure bekannt sind und der Süße kontern könnten. Denn ein restsüßer Wein wirkt auf uns schnell träge, platt und langweilig, wenn er nicht von animierender Säure begleitet wird.

Korken vom Weingut "von Othegraven" von der Saar in Kanzem

Vier Saar-Rieslinge, Kabinett – Der Start: Wiltinger Kupp

Da stehen sie nun, die vier Weine: Wiltinger Kupp, Ockfener Bockstein, Kanzemer Altenberg und Wawerner Herrenberg. Die Weine kommen in einer offenen Probe ins Glas. Wir starten mit dem Kupp aus Wiltingen. Geografisch befinden wir uns im Nachbarort von Kanzem, in dem das Weingut von Othegraven ansässig ist. Bei dem Kabinett vom Wiltinger Kupp finden wir ein helles gelb mit leicht grünlichen Reflexen im Glas vor. Er versprüht eine deutliche Schiefernote, zeigt sich aber ansonsten eher zurückhaltend und filigran. Der erste Schluck füllt den Mundraum voll aus. Der Wein ist saftig, bringt ein leichtes Prickeln von der Kohlensäure mit und die brillante aber dennoch weiche Säure kontert der Restsüße ideal. Auch im Mund vernehmen wir mehr mineralische Töne als eine Fruchtbombe. Lediglich im Abgang presst sich der Anklang von Grapefruit an den Gaumen. Zusammen mit der Säure wird der Wein dadurch schön lang. Er animiert zum Weitertrinken. Unsere weitere Probe wird zeigen, dass der Wein vom Wiltinger Kupp für uns die deutlichste Schiefernote aufzeigt, was vielleicht an dem besonders stark verwitterten, feinkörnigen Schieferboden liegt. Die Minerale können sich dadurch besonders gut lösen und gelangen über die Wurzeln in die Trauben und den Wein.

Ockfener Bockstein

Nach diesem beeindruckenden Start bekommen wir leider einen kleinen Säure-Dämpfer. Der Ockfener Bockstein fällt durch seine doch deutlich aggressivere Säure auf, die teils kratzig ist. Ihr entgegen steht eine stattliche Restsüße, die trotz der Säure nicht sonderlich gut gebändigt wird. Statt Frucht vernehmen wir eher saure Apfelringe. Der Bockstein und wir werden keine Freunde und daher schenken wir schnell den Kanzemer Altenberg ein.

Kanzemer Altenberg

Die monumentale Steilwand in Kanzem ist der Hausberg des Weingutes von Othegraven. Direkt hinter dem Weingut zieht sich die Lage steil in die Höhe. Der Weingutseigentümer und Fernsehmoderator Günther Jauch hat erst neulich bei einem Presserundgang über das vor kurzem renovierte Weingut Wetten entgegen genommen, wie schnell jemand den Altenberg erklimmen kann. Jauch berichtete dabei, dass es wohl schon Herausforderer in 5 Minuten geschafft haben sollen. So kann man sich täuschen: Rückblickend auf unserer Erinnerung an die steile Lage hätten wir gesagt, dass man die Baumkrone locker in einer Minute erreichen kann. Dabei war uns aus der Perspektive von unten natürlich nicht klar, dass man im oberen Teil bei etwa 80 Prozent Neigung angelangt und diese nur noch auf allen Vieren überwunden bekommt. Auf allen Vieren wäre man dem Boden allerdings so nahe, dass man dem Devon-Schiefer-Boden einen Blick würdigen könnte: Wie in allen von Othegraven-Lagen besteht der Boden aus Devon-Schiefer. Hinzukommt ein hoher Eisenoxidgehalt, der den Untergrund rötlich schimmern lässt. Nun aber genug über steile Lagen – wir fragen uns, wie steil kommt der Kabinett vom Altenberger Kabinett in unserer Bewertung nach oben. Auch wenn wir den Devon-Schiefer mit seinem Eisenoxid erwähnt haben, so finden wir die klassischen Aromen von nassem Feuerstein nicht. Vielmehr treffen wir auf einen sehr angenehm fruchtigen Wein, der am Ende des Tages von unserer Vierer-Probe der fruchtigste sein soll. Wir notieren Passionsfrucht und eine leichte Pfirsich-Note, die sich auch am Gaumen deutlich zeigen. Im Abgang gesellt sich etwas Mango dazu. Seine leichte Kohlensäure und die optimale Säure-Süße-Kombination runden den Tropfen ab. Steile Lage bedeutet also bei uns auch steile Bewertungen.

Wawerner Herrenberg

Bekanntlich liegen Freud und Leid nah beieinander. Na gut, von Leid wollen wir bei dem nächsten Kabinett nicht gleich sprechen. Doch so viel sei verraten der Wawerner Herrenberg kommt für uns nicht so richtig aus den Startlöschern. Er zeigt sich eher verschlossen – es sind kaum Aromen zu vernehmen. Zu vorgerückter Stunde mit etwas Luft finden wir einen Hauch von mineralischen Schiefer-Tönen, aber mehr lässt sich der Wein nicht entlocken. Der Wein hat wenig Säure und im Abgang dominiert Grapefruit – aber das macht ihn deswegen für uns kaum attraktiver. Vielleicht ist Zeit für diesen Wein das Zaubermittel. Mit dem Jahrgang 2013 sind die Weine doch alle noch recht jung und können in den nächsten Jahren ihr volles Können unter Beweis stellen.

Die Favoriten

In der Zwischenzeit würden wir den Kupp und den Altenberg im Blick behalten. Beide Weine zeigen heute bereits einen schönen Trinkfluss und sind zugleich spannend sowie abwechslungsreich. Der Kupp als klassischer Saar-Riesling so wie wir ihn erwartet haben: Die markante aber nicht aggressive Säure puffert die Restsüße ideal ab und die mineralischen Schiefertöne finden sich sowohl in der Nase als auch im Mund wieder. Der Altenberg hingegen kommt eher ohne Schiefer-Aromatik daher, überzeugt aber durch ein tolles feinfruchtiges Bouquet. Die Weine sind für etwa 13 Euro ab Weingut erhältlich und ihren Preis auf alle Fälle wert. Wer eine Liga höher mitspielen möchte, erhält die vier Lagen auch als Spätlesen und freunde trockener Weine werden in den Großen Gewächsen fündig. Diese Spitzenweine des Weingutes sind aus dem 2013er Jahrgang seit Anfang September erhältlich und dürften eher noch etwas mehr Zeit bis zum vollen Genuss brauchen als die Kabinett.

Weingut von Othegraven Kabinett aus großen Lagen: Kupp Bockstein Altenberg und Herrenberg aus 2013

2011 Martin Schwarz Weißburgunder GrauburgunderUnd wieder kommen wir aus dem Schwärmen nicht heraus – die Weine von Martin Schwarz fesseln und überzeugen uns immer wieder. Der ehemalige Kellermeister des Weinguts Schloss Proschwitz bringt Cuvées auf die Flasche, die nicht wie viele andere so unbestimmbar daher plätschern sondern es auf den Punkt bringen. Diesmal finden wir im Glas einen gelb-goldenen Wein aus dem Jahr 2011, der in der Nase mit leicht vegetativen Aromen daherkommt. Er erinnert etwas an einen gekochten Gemüsebrei mit Möhren und Erbsen gepaart mit etwas Gärgeruch – klingt vielleicht nicht sonderlich lecker ist aber genial, ganz sanft und voluminös. Bereits der erste Schluck schmeichelt dem Gaumen ungemein. Die Cuvée hat wenig Säure aber ist nach seinem prallen ersten Eindruck hinten raus nicht flach oder kurz. Mit etwas Luft zeigt der Wein seine leichte Holz-Note, die wie bei Schwarz üblich perfekt eingebunden ist. Ein Hauch von Vanille schwingt bei dieser Cuvée mit und harmonisiert mit der leichten Restsüße perfekt, die der Wein trotz seiner 13 Vol. Prozent Alkohol aufweist. Diese Werte sprechen für einen späten Lesezeitpunkt mit sehr reifem Lesegut. Am zweiten Tag gesellt sich im Abgang ein Hauch von Stern-Anis hinzu, der die vegetative Note des Weins perfekt abrundet.

Wein-Fakten

Weingut: Martin Schwarz
Jahrgang: 2011
Anbaugebiet: Sachsen
Rebsorte: Cuvée aus Weißburgunder und Grauburgunder
Lage: /
Ausbau: trocken
Prädikat: Qualitätswein
Preis: etwa 30 Euro
erhältlich bei: direkt ab Weingut
Weinzeit-Punkte

Harmonie (Säure vs. Zucker): +++++
Aromen (Duft): ++++~
Geschmack: +++++
Optik: ++++~
Aufmachung: ++++~
Gesamt: 22/25

Wien und Wein – ein kleiner Tippfehler genügt, und ein vertauschtes „e“ und „i“ machen aus der österreichischen Hauptstadt ein feines Getränk. Doch wer an Wien denkt, hat eher Fiaker (die weltberühmten Pferdekutschen), den Stephansdom oder die Kaffeehäuser im Kopf. Der osmanische Einfluss in der Stadt ist bei dem geprägten Kaffeekult kaum zu leugnen. Wiener und Touristen gleichermaßen zieht es in der Innenstadt sowohl in die traditionellen Caféhäuser wie Café Central, Schwarzenberg, Demel, Sacher oder Mozart aber auch die noch heute nahezu revolutionär anmutenden Häuser wie das Leopold Hawelka.

Café Demel in Wien
Café Demel in Wien

Die Kellner leben hier beide extreme: Wiener Missmut über jeden lästigen Gast oder Wiener Höflichkeit mit „Habe die Ehre Gnädigste …“. Egal auf welchen Typen man trifft, wer bei ihnen einfach nur einen Kaffee bestellt, kassiert nur ein verständnisloses Kopfschütteln. Ein Kaffee ist hier nicht einfach nur ein ordinäres Heißgetränk, sondern vielmehr eine Leidenschaft und für die Café-Betreiber eine Berufung, die lange Zeit auch eine reine Männerdomäne war. Serviert werden in Wiener Cafés „Schwarzer“, „Kleiner Brauner“, „Verlängerter“, „Wiener Melange“, „Kapuziner“ und viele mehr. Dazu isst man Mehlspeisen wie Strudel mit Apfel oder Topfen (Quark) oder Buchteln und natürlich Sachertorte.

Café Central in Wien
Sachertorte und Wiener Melange im Café Central in Wien

Topfen-Strudel im Café Schwarzenberg in Wien
Topfen-Strudel im Café Schwarzenberg in Wien

Wiener Wein

Doch nun genug über den Kaffeekult, schließlich wird es auch einmal Abend und den Leuten durstet es nach etwas Herzhaftem. Wie wäre es da mit einem „Wiener Gemischten Satz“ einem „Grünen Veltliner“ oder einem „Blauer Zweigelt“. Ja, Wien kann auch Wein! Als Österreichs kleinstes Weinanbaugebiet spielt es aber national und international eher eine untergeordnete Rolle. Ok, ein Titel bleibt den Wienern: mit einer Größe von 660 Hektar ist die Region nämlich die weltweit größte innerstädtische Rebfläche. Insgesamt bewirtschaften etwa 190 Betriebe diese Fläche, die sich vor allem vom Norden mit den Stadtteilen Stammersdorf, Strebersdorf und Jedlersdorf über die Donau nach Nussdorf, Heiligenstadt, Grinzing, Sievering und Neustift am Walde, Dornbach und Ottakring bis ins südliche Mauer und Oberlaa erstreckt.

Am Weingebirg in Nussdorf von Wien
Am Weingebirg in Nussdorf von Wien

Blick vom Nussberg auf Wien
Blick vom Nussberg auf Wien

Gemischter Satz aus Wien

Schild: Original Wiener HeurigerDie Weinbauregion Wien ist von unterschiedlichen Witterungen geprägt, die auch über die Jahre hinweg unterschiedlich ausfallen können. Die Trauben reifen folglich unterschiedlich. Um auch widrigen Witterungsumständen Herr zu werden, setzten die Wiener Winzer bereits im 19. Jahrhundert auf ein Verfahren, wodurch dennoch ein Wein gelingen kann. Während Österreich allgemein zu dieser Zeit eher auf Reben für den Massenertrag setzte, wurden in Wien bereits Edelrebsorten wie Riesling, Weißburgunder und Traminer angebaut. Diese pflanzten die Winzer gemeinsam mit anderen weißen Rebsorten in einem Weingarten an, ernteten sie zusammen und verarbeiteten diese auch im Keller gemeinsam. Aufgrund der verschiedenen Blütezeitpunkte der einzelnen Rebsorten blieb den Winzern auch bei schlechten Wetterverhältnissen ein Totalausfall erspart und sie erhielten stets einen brauchbaren Wein, der darüber hinaus sich vielschichtig zeigt und Frische, Frucht und Fülle vereint. Dennoch sorgte der zunehmende sortenreine Ausbau dafür, dass der Gemischte Satz eher ein einfacher Schoppenwein wurde. Auf diese Weise lange Zeit als Stiefkind behandelt, bekam der Gemischte Satz mit dem 2013er Jahrgang wieder einen Schub. Er erhielt die geschützte Herkunftsbezeichnung „DAC“ und darf nur aus Wien stammen. Gepaart mit strengen Regeln soll die hohe Qualität gesichert werden. So soll der Gemischte Satz aus mindestens drei weiße Qualitätsweinrebsorten bestehen, die gemeinsam in einem Wiener Weingarten angepflanzt sind. Der größte Sortenanteil einer Rebsorte darf nicht höher als 50 Prozent sein, der drittgrößte Anteil muss zumindest 10 Prozent umfassen.

Heuriger im Stadtteil Grinzing in Wien
Heuriger im Stadtteil Grinzing in Wien

Heuriger in Grinzing

Straßenbahn nach Grinzing in Wien
Für uns wird es nun nach endloser Theorie endlich Zeit, die Wiener Weinwelt praktisch zu entdecken. Was bietet sich dafür besser an als die Wiener Innenstadt zu verlassen und in den Norden der Stadt zu ziehen. Statt mit dem Fiaker rund um den Stephansdom geht es für uns also mit der Straßenbahn nach Nussdorf. Von der Endhaltestelle ziehen wir durch die Weingärten des Nussbergs – eine der besten Wein-Großlagen Österreichs sogar. Durch die Rebzeilen blicken wir auf Wien und erkennen sogar den Stephansdom und die Hochhäuser im Geschäftsviertel am Donaukanal. Weiter geht es durch kleine verwinkelte Gassen vorbei an alten Häusern und idyllischen Hofgärten bis uns der kleine Spaziergang weiter Richtung Grinzing führt.

Heuriger mit Innenhof im Stadtteil Grinzing in Wien
Innenhof eines Heuriger im Stadtteil Grinzing in Wien

In dem ehemaligen kleinen Weindorf reiht sich ein traditioneller Heuriger – also eine Wiener Lokalität – an das nächste. Wir sind auf der Suche nach einem „Wiener Schnitzel“ – und wir wollen ein Schnitzel aus Kalbsfleisch und nicht Schwein oder Huhn, wie es hier zu oft auf den Speisekarten zu finden ist. Wir ziehen daher von Heuriger zu Heuriger und sind bei dem einen oder anderem Lokal sogar ganz froh, dass wir nicht fündig werden, denn viele Heuriger sind einfach zu touristisch. Teilweise parken Reisebusse vor den Lokalen – urig, traditionell sieht anders aus.

Wiener Schnitzel

Noch schnell ein Gemischter Satz

Weingut Müllers Gemischter Satz 2013Doch bevor wir fündig werden, genehmigen wir uns im Müllers Heuriger noch ein Gläschen Gemischten Satz. Sowohl in der Nase als auch am Gaumen zeigt er sich sehr würzig und vollmundig. Dennoch ist er erfrischend – aber leider schwer definierbar. Schließlich übermannt uns der Hunger und wir werden auf der Suche nach unserem Wiener Schnitzel fündig und landen in dem kleinen Lokal auf der Himmelstraße. Eine Speisekarte mit Abbildungen der Gerichte schreit zwar auch nach Massentourismus, doch außer uns und einer kleiner Gruppe ausländischer Studenten scheint sich hier niemand hierher verirrt zu haben – zu unscheinbar liegt das Lokal mit seinem Innenhof etwas abseits der zahlreichen anderen heuriger. Statt Touristen-Tratscht zu halten, wird hier musiziert, gesungen und getanzt – was für eine tolle Stimmung, die durch den Heuriger – ebenfalls die Bezeichnung für einen einfacher Jahrgangswein – zusätzlich angefacht wird: Man geht zum Heurigen, sitzt beim Heurigen und trinkt Heurigen, so berichtet es der Wiener. Während wir uns unser Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln schmecken lassen, vernehmen wir einen älteren Mann, der alleine zum Heurigen gekommen ist. Er fühlt sich sichtlich unterhalten und erzählt einem Bekannten: „Was soll ich zu Hause alleine vor dem Fernseher sitzen? Da gehe ich doch lieber zum Heurigen!“ – Recht hat er!

Musiker im Heuriger in Wien

Wein Heuriger im Glas
Ebenfalls als „Heuriger“ wird auch ein einfacher Jungwein bezeichnet, der aus dem aktuellen Jahrgang stammt. Im Heurigen wird er als Schoppenwein häufig in einem Becherglas serviert.